Kunst in der Anbetung

JUBILATE, Selah - Juni 2026

Hast du schon einmal erlebt, dass Kunst dich näher zu Gott bringt? Auf unserer letzten Freizeit ging es genau darum. Unser Thema war „Selah“. Das bedeutet übersetzt so viel wie: Innehalten. Pause machen. Nachdenken.

Wir haben Gott nicht nur mit Liedern gelobt. Wir haben die Kunst genutzt. Kunst ist eine ehrliche Form der Anbetung. Sie hilft uns, Masken abzulegen und ganz real vor Gott zu werden.

Live Painting am Vormittag: Drei Bilder, drei Botschaften

An drei Vormittagen sind während der Treffen in jeweils einer Stunde Live-Paintings zu Bibeltexten entstanden. Sie waren kein bloßes Zuschauprogramm. Die Bilder haben das gesprochene Wort sichtbar gemacht und Herzen berührt.

Das Flüstern in der Erschöpfung (1. Könige 19)

“Der Herr ist denen nahe, die verzweifelt sind, und rettet diejenigen, die alle Hoffnung verloren haben.”
‭‭Psalm‬ ‭34‬:‭19‬

Dieses Bild zeigte Elia. Und zwar nicht den strahlenden Helden, den wir oft vor Augen haben. Elia war ein Prophet mit einem unglaublich starken Glauben. Er war voller Leidenschaft und hatte Gott durch faszinierende Wunder erlebt: Er ließ auf Gottes Wort hin den Regen aussetzen, er betete Feuer vom Himmel herab und erlebte sogar, wie ein Toter auferweckt wurde.

Und trotzdem zeigt uns die Bibel genau diesen Mann kurz darauf völlig am Ende. Seine psychische und körperliche Kraft war komplett verbraucht. Auf der Leinwand sah man ihn in der Fötushaltung vor dem Höhleneingang liegen – klein, schutzlos, zusammengekauert, depressiv und von tiefer Einsamkeit erfüllt.

Wir Christen neigen oft dazu, genau wie Elia alles für Gott geben zu wollen. Wir wollen stark im Glauben wirken, ein Vorbild sein, viel dienen und die Gemeinde tragen. Dabei vergessen wir uns selbst und überhören die Warnsignale unserer Seele. Wir bauen stolze Schutzmauern um uns herum auf und tun so, als ob uns nichts anhaben kann. Aber Gott möchte keine abgestumpften, harten Herzen. Er möchte fühlende, empathische Herzen. Und dazu gehört, dass wir verletzlich sein dürfen.

Gott umgibt uns genau in diesem Schmerz. Er hat uns geschaffen. Er kennt unsere Schwächen ganz genau und verurteilt uns nicht dafür. Wir sind für ihn nicht weniger wert, wenn es uns psychisch nicht gut geht. Wer mit Enttäuschungen, Traumata, Verletzungen, Burnout oder Depressionen kämpft, ist in Gottes Augen kein Christ zweiter Klasse.

Das Bild fing den Moment nach dem großen Knall ein. Erst kamen der Sturm, das Erdbeben und das Feuer. Diese Katastrophen haben Elias überlastetes Nervensystem quasi erst einmal heruntergefahren. Und genau da, in der totalen Stille danach, passierte es: Gott begegnete ihm nicht im lauten Chaos. Er begegnete ihm in einem ganz leisen Flüstern. Gott will Heilung für uns. Aber er zwingt sie uns nicht laut auf.

Du musst vor Gott keine Fassade aufrechterhalten. Wenn der Akku leer ist, darfst du schwach sein. Wir brauchen diese radikalen „Selah-Momente“ – Pausen, in denen wir weit weg vom Chaos des Alltags zur Ruhe kommen. Wenn wir nicht mehr können, dürfen wir seiner Kraft vertrauen. Er möchte unsere Kraft werden. Gott ist da – gerade im Dunkeln.

Hände auf der Drehscheibe (Jeremia 18)

Hier stand die Töpferscheibe im Mittelpunkt. Das Bild zeigte Hände, die einen Klumpen Ton umschließen, während sich die Scheibe dreht. Diese Drehscheibe steht für unsere Lebensumstände. Manchmal dreht sich das Leben so schnell, dass uns schwindelig wird. Alles wirkt völlig außer Kontrolle. Doch der Ton fliegt nicht von der Scheibe, weil Hände ihn halten.

Der Wert des Gefäßes hängt nicht von der anfänglichen Qualität des Tones ab. Unser Wert kommt ganz allein vom Töpfer. Damit der Ton überhaupt formbar bleibt, braucht er ständig Wasser. Dieses Wasser erinnert uns an das Gottes Wort und das sanfte Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben. Ohne diese Zufuhr trocknen wir aus, werden hart und zerbrechen. Der Töpfer arbeitet mit einer feinen Balance: Er baut Druck und Spannung auf – sowohl von innen als auch von außen –, um den Ton in die Höhe zu ziehen. Diese Spannung fühlt sich oft so an, als ob unser Glaube massiv gedehnt und bis an die Grenzen getestet wird. Doch genau durch diesen harten Dreh- und Formprozess wird die Qualität des Tones verfeinert. Unsere Sturheit, Sünde oder Stolz werden herausgearbeitet. Der Töpfer tut das nicht, um uns zu zerstören; er hat von Anfang an einen klaren Plan und eine Vision für das fertige Gefäß.

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Manchmal bricht das Gefäß unter dem Druck trotzdem komplett in sich zusammen. Doch das Bild zeigt die tiefe Gnade Gottes: Wenn der Ton kaputtgeht, schmeißt der Töpfer ihn nicht weg. Er nimmt denselben Klumpen, drückt ihn wieder zusammen und formt ihn neu – so lange, wie es braucht, bis die gewünschte Form erreicht ist. Der Ton muss dafür nur eins tun: Er muss zentriert auf der Drehscheibe bleiben. Er muss genau in der Mitte der Hände des Töpfers sein.

Solange wir in den Händen des Töpfers bleiben und uns Gott unterordnen, kann er etwas Wunderschönes aus uns machen. Es ist völlig egal, wie deformiert dein Start war oder wie oft du schon eingebrochen bist. Vertraue seinen Händen auf der schnellen Drehscheibe des Lebens.

Hände auf der Drehscheibe (Jeremia 18)

Dieses Bild war ein echtes Gemeinschaftsprojekt und lebte von der Zusammenarbeit. Die Kinder der Freizeit haben den Vormittag begonnen. Sie haben mit ihren Farben wild, frei und unbeschwert vorgemalt. Sie haben das Fundament der Leinwand mit ihrer puren Energie gefüllt.

Hier wurde sichtbar, wie sehr Gott sich an dem ehrlichen Lob der Kinder erfreut. Schon in Psalm 8:2 heißt es, dass er sich aus dem Mund der Kinder ein Lob zugerichtet hat. Später im Neuen Testament erinnert uns Jesus genau daran, als er die Kinder im Tempel gegen die Kritiker verteidigt. Kinder fühlen sich frei, ohne Sorgen und ohne die lähmende Ernsthaftigkeit des Lebens. Sie loben Gott ohne Filter, ohne Leistungsdruck und ohne die stolzen Schutzmauern, die wir Erwachsenen oft mit uns herumtragen. Ihre Pinselstriche waren pure, ehrliche Freude. Kinder haben so viel Energie und sind uns ein echtes Vorbild in der Begeisterung. Genau so frei und sorgenlos dürfen wir uns bei Gott auch fühlen.

Gleich im Anschluss habe ich diese lebendige Energie der Kinder aufgegriffen und auf der Leinwand weitergeführt. Ich habe einen dichten, tiefgründigen Wald gemalt, die Berge im Hintergrund verfeinert und ausgearbeitet, um schließlich den Adler hineinzufügen. Die unbändige Kraft, die die Kinder ins Bild gebracht haben, floss direkt in diesen Adler hinein – als Symbol für die Freiheit und die neue Stärke, die Gott uns schenken will. Adler fliegen über alle Stürme des Lebens hinaus. Sie kämpfen nicht starr gegen den Wind, sondern lassen sich von den Aufwinden und Strömen tragen. Genau das passte perfekt zum Bibeltext aus Jesaja, der von einem Adler spricht, der neue Energie bekommt: Die Jungen werden müde und matt, aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

Ein Teilnehmer brachte es hinterher perfekt auf den Punkt. Er meinte, wie toll dieser Prozess widerspiegelt, was Gott mit uns tut: Er nimmt unsere oft schwachen und unvollkommenen Bemühungen und macht daraus ein echtes Meisterwerk.

Die Workshops am Nachmittag: Selber kreativ werden

Nachmittags ging es vom Zuschauen zum Selbermachen. In den Mal- und Kreativworkshops konnten alle Teilnehmer ihre eigenen Gefühle auf Papier bringen.

Psalm 42: Der Hirsch schreit nach Wasser

Wir haben uns mit dem Hirsch aus Psalm 42 beschäftigt. Er hat Todesangst und verdurstet. Er sehnt sich extrem nach Wasser. Genauso sehnt sich unsere Seele oft nach Gott. Im Workshop durfte diese Sehnsucht und auch die Angst Raum haben.

Jeremia 18: Ton in unseren Händen

Hier haben wir den Text vom Vormittag praktisch vertieft. Die Teilnehmer haben gemerkt, wie sich das Material anfühlt. Es ging darum, das eigene Leben ganz bewusst neu in Gottes Hände zu legen.

“Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so sehne ich mich nach dir, o Gott! Ja, ich dürste nach Gott, nach dem lebendigen Gott.”

‭‭Psalm‬ ‭42‬:‭2‬-‭3‬ 

Weg von der Hektik, hin zu Gott

Am Ende war all die Kreativität auf dieser Freizeit genau das: ein Wegweiser in ein tiefes, persönliches Selah. In der Anbetung – ob durch Lieder oder eben durch Pinselstriche und Ton – durften wir erfahren, was passiert, wenn wir die Hektik und den Lärm des Alltags hinter uns lassen.

Indem wir unsere Konzentration ganz bewusst weg von den eigenen To-Do-Listen und hin zu Gott bewegt haben, kamen wir in Seiner Gegenwart zur Ruhe. Die Kunst war dabei kein Ablenkungsmanöver, sondern ein wunderbares Werkzeug, das uns geholfen hat, diesen Fokus zu finden. Wie schön ist es, dass unser Glaube genau das sein darf: lebendig, frei und zutiefst kreativ.

Diese kreativen Pausen haben uns den Raum geschenkt, innerlich auf die Bremse zu treten, Seinem Flüstern zu lauschen und frisch gestärkt neu aufzubrechen.

Elisabeth Andra Oprescu ist eine leidenschaftliche Künstlerin mit einem Bachelor in Theologie und Mama von drei Kindern. Als Teenageleiterin und Sonntagsschullehrerin engagiert sie sich mit Hingabe im Dienst Gottes. Außerdem ist sie Kinderbuchillustratorin und als Workshopleiterin bei Art of Worship und Art Adventure aktiv, wo sie ihre kreativen Talente nutzt, um Glauben und Kunst zu verbinden.

Entdecke mehr von ART of Worship

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen